Igel im Spätwinter: Was jetzt richtig ist!
Wenn man um diese Jahreszeit – also im Spätwinter oder sehr frühen Frühjahr – Igel findet, ist Vorsicht geboten.
Tiere, die jetzt tagsüber unterwegs sind, sind in der Regel in Not. Häufig wurden sie gestört, haben ihr Nest verloren oder sind untergewichtig.
Dennoch gilt: Nicht überstürzt handeln.
1. Igel sichern – aber nicht aufwärmen
Findet man einen kleinen Igel (deutlich unter 500–600 Gramm) außerhalb eines geschützten Nestes, sollte man ihn:
vorsichtig aufnehmen (Handschuhe benutzen),
in einen Karton mit Luftlöchern setzen,
mit Zeitungspapier oder einem Handtuch auslegen,
ruhig und zugluftfrei unterbringen.
Wichtig: Nicht sofort ins ganz Warme setzen. Ein abrupter Temperaturwechsel vom kalten Boden in einen stark beheizten Raum kann den Kreislauf belasten. Zunächst reicht ein kühler, frostfreier Raum (z. B. Hausflur, Keller mit moderater Temperatur). Keine Wärmflasche ohne fachliche Anleitung, kein Föhnen, kein „Aufpäppeln“ auf eigene Faust.
Anschließend sollte man umgehend Kontakt zu einer Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt aufnehmen.
2. Nicht herumtragen, nicht „retten“ durch Aktionismus
Ein häufiger Fehler ist es, den Igel unnötig zu bewegen, zu streicheln oder „aufzuwecken“. Igel sind Wildtiere. Stress schwächt ihr ohnehin belastetes Immunsystem. Deshalb:
Nicht durch die Gegend tragen.
Nicht baden.
Keine Milch geben (Igel sind laktoseintolerant).
Kein Futter anbieten, bevor eine Fachstelle kontaktiert wurde.
Gerade geschwächte Tiere können bei falscher Versorgung versterben.
3. Schlafenden Igel mit zerstörtem Nest gefunden?
Wurde ein Nest – etwa bei Gartenarbeiten – versehentlich entfernt und darin liegt ein schlafender Igel, gilt:
– Nicht wecken
– Den Igel mitsamt Nistmaterial vorsichtig in eine Kiste setzen.
– Dunkel, ruhig und erschütterungsfrei unterbringen.
– Möglichst zeitnah in eine Igelstation bringen.
Winterschlaf oder Winterruhe sind physiologisch komplexe Zustände mit stark reduziertem Stoffwechsel. Ein gewaltsames Aufwecken kann lebensgefährlich sein, da die Energiereserven im Spätwinter oft fast aufgebraucht sind.
4. Wann ist Eile geboten?
Sofortige Hilfe ist notwendig, wenn der Igel:
– tagsüber apathisch herumläuft,
– stark unterkühlt wirkt (kalt am Bauch),
– sichtbar verletzt ist,
– von Fliegen umschwirrt wird (Hinweis auf Wunden oder Schwäche).
In solchen Fällen zählt jede Stunde – aber weiterhin ohne eigenmächtige Intensivmaßnahmen.
Fazit
Wer jetzt kleine oder gestörte Igel findet, sollte vor allem eines tun: Sichern, ruhigstellen, Fachleute kontaktieren. Keine Schnellmaßnahmen, kein eigenständiges Aufwärmen, kein Herumprobieren.
Sachgerechte Wildtierhilfe bedeutet Zurückhaltung – und die Weitergabe an eine kompetente Igelstation.
So erhöht man die Überlebenschancen der Tiere erheblich und handelt im Sinne eines verantwortungsvollen Wildtierschutzes.

